Liebe Leserinnen und Leser, |
auch in diesem Jahr möchte ich es nicht versäumen, Sie auf besondere Kostbarkeiten aus dem Eich-Verlag hinzuweisen. Diesmal will ich Ihnen einige Bücher vorstellen, in denen die Natur eine Hauptrolle spielt. Das sind sowohl Romane wie Hans Sterneders Buch seiner Wanderjahre „Der Sonnenbruder“ oder mein Roman „Kampf um den Garten Gottes“, aber auch Lesebücher wie die beiden Geistschätze-Bände „Lebensgeheimnisse“ und „Schöpfungsgeheimnisse“. Ebenso wertvoll wie naturnah sind Sterneders Tagebücher eines Besinnlichen „Frühling im Dorf“ und „Sommer im Dorf“, die der Dichter in seiner Zeit als Dorfschullehrer Anfang des 20. Jahrhunderts quasi mitten in der Natur geschrieben hatte. Ich wünsche Ihnen viel Spaß und Freude beim Stöbern und Lesen! Hoffentlich ist auch für Sie etwas dabei. Alles Liebe, Gute Ihr Thomas Eich |
Der SonnenbruderLandstreicherroman von Hans Sterneder
Hans Sterneders zweiter Roman ist ein Werk von großer Gedankentiefe und Schönheit, eine köstliche Natursinfonie – Der Dichter schrieb dazu: „Einführung zu innigstem Naturerleben. Die Literaturkritik behauptet, dass es der schönste Landstreicherroman sei. Er erzählt von meinem zweijährigen Leben auf der Landstraße.“ |
|
|
|
Auf der mondsichelförmigen Uferwiese liegt weich und warm das Licht der Morgensonne. An jeder Blattspitze hängt eine glitzernde Tauperle. Weit geöffnet sind die Kelche der Blüten. Unter dem äußersten Zweigrand der majestätischen Buche wuchert eine ausgedehnte Kolonie stark duftenden Waldthymians. Seine Honigkelche strömen einen derart würzigen Duft aus, dass der Erwachende seine Augen weit öffnet. Wohlig streckt und dehnt er die Arme, tief den prickelnden Duft der versteckten Wiesenkinder einsaugend. Hierauf schnellt er geschmeidig auf die Beine. Die niederhängenden Zweige der Buche auseinanderteilend, tritt der junge Mensch in das Licht des prangenden Sommermorgens. Die Zweige noch in den Händen, bleibt er stehen, wie geblendet von der Fülle des goldenen Lichtes. Seine Seele ist benommen von dem überwältigenden Lebensstrom, der in Düften und flammenden Farben, würzig durchwärmter Kühle in Himmelsbläue und Vogelgesinge auf ihn flutet. Ein Rieseln geht durch seinen Körper und strafft ihn derart, dass er beide Arme zur Sonne heben muss. Minutenlang steht er so, dann reißt er eilig die Kleider vom Leibe. Mit wenigen Schritten ist er am Wasser, und eh sich all das Bein- und Flossengewusel, das sich im seichten, sonndurchfluteten Uferwasser behaglich wärmt, noch recht ins Klare kommt, liegt der große Menschenbruder auch schon wohlig in der kühlen, erfrischenden Flut. Unausgesetzt laufen Ringe in den glatten Spiegel hinaus, bis sie allmählich vergehen in der feierlichen Gleichmut des Wassers. So weit die Wellen die Flut überkräuseln, wissen die Geschöpfe des Sees von dem Spiel des großen Bruders. |
|
Kampf um den Garten GottesEin märchenhafter spiritueller Abenteuerroman
Eine unterhaltsame Geschichte voller tiefgründiger Weisheit, ein buntes Abenteuer und eine spirituelle Reise, ein äußerer Kampf und ein inneres Ringen, Lesespaß und Erkenntnisgewinn, eine abenteuerliche Geschichte und ein Aufruf zu bewusstem und ehrfürchtigem Umgang mit der Natur. |
|
|
|
Entgeistert rieb ich mir die Augen ... |
„Sechs Tage und Nächte lag ich so unter meinem Baum, betete und dachte viel über das Leben nach. Mein aus der Not geborener und keineswegs festverwurzelter Glaube wurde auf eine harte Probe gestellt. Unsäglicher Hunger quälte mich, meinen Durst konnte ich nur unzureichend mit dem allmorgendlichen Tau stillen und mein Bein schien in stechendem Schmerz zu brennen. Ich spürte, wie die Lebenskraft immer mehr aus meinen Gliedern schwand und war schließlich bereit, mich in mein Schicksal zu fügen, und legte es in Gottes Hand.“ Der Alte schwieg. Ein eigentümliches Lächeln durchwehte seine Züge und versunken schaute er in die Ferne. „Doch meine Zeit war noch nicht abgelaufen. Am Morgen des siebten Tages weckte mich eine leise Stimme aus dem Schlaf. Verwirrt, von Hunger, Schmerz und Seelennot gezeichnet, blickte ich auf. Ich glaubte zu träumen. Vor mir standen drei spannenlange Männlein und lächelten mich freundlich an. Entgeistert rieb ich mir die Augen. War ich jetzt ganz verrückt? Aber die Männlein blieben. Bisher kannte ich solche Wichtel nur aus den spinnerten Geschichten älterer Walzbrüder, doch nun standen drei dieser kleinen Wesen leibhaftig vor mir. Sie verneigten sich und einer sprach mich an: ‚Sei uns gegrüßt, Fremder. Wir sind Far, Lar und Tar aus der Sippe der Waldmännlein und sind gekommen, dir zu helfen und deinen Fuß wieder in Ordnung zu bringen. Zeig ihn einmal her!‘ Sprachlos hielt ich den kleinen Wichten meinen Fuß hin und starrte sie mit offenem Mund an.“ Der Alte lachte bei der Erinnerung an dieses Bild laut auf und schlug sich auf die Schenkel, dann fuhr er fort: „Eines der Männlein besah meinen Fuß, holte ein kleines Beutelchen hervor und bestrich die Wunde mit einer zähen Paste. Um die Paste legte es große, würzig duftende Blätter und umwickelte alles fest mit einem milchiggelben Leinenstoff, so dass ich den Fuß kaum noch bewegen konnte. Der Schmerz ließ sofort nach und war bald ganz verschwunden. Als mein Bein gut versorgt war, gab mir das zweite Männlein eine große Schale mit Beeren, während mir das dritte einen Becher mit köstlich frischem Quellwasser reichte. In den folgenden Tagen kamen die drei immer wieder, pflegten mein Bein und päppelten mich soweit auf, dass ich nach einer Woche meinen Weg fortsetzen konnte. Während jener Zeit erwuchs eine innige Freundschaft zwischen den Waldmännlein und mir. Tiefe Dankbarkeit erfüllte mich, dass sie sich meiner angenommen und mich gerettet hatten. Als ich dann eines Tages Stock und Ränzel griff, um mein rastloses Herz wieder auf die Landstraße zu werfen, begleiteten sie mich bis zum Waldrand. Tränen in den Augen, gelobte ich, sie bald wieder zu besuchen. Schwermütig, aber auch glücklich über die wundersame Hilfe, die ich erlebt hatte, wanderte ich weiter. Tiefe Dankbarkeit durchschauerte meine Seele. Gott hatte mein Flehen erhört. |
| Das Prinzip hinter der Buchreihe „Geistschätze zum Nachdenken“ aus dem Eich-Verlag ist einfach. Jeder Band widmet sich einem bestimmten Autor, Thema oder Werk und enthält kurze Passagen aus umfangreicheren Schriften, die in einen losen, aber sinnvollen neuen Zusammenhang gestellt werden. Dadurch kann der Leser die jeweiligen Inhalte intensiver auf sich wirken lassen und noch gründlicher durchdringen. |
Lebensgeheimnissevon Hans Sterneder |
Hans Sterneder sah seine Lebensaufgabe darin, ein über alle kulturellen und religiösen Grenzen hinausreichendes Menschheitsurwissen zu ergründen und in seinen Werken zu vermitteln. Aus der Fülle dieses Materials wurden viele kurze Passagen ausgewählt, die sich mit den Geheimnissen des Lebens befassen. Eingeteilt sind die kurzen Kapitel in die vier Teile:
- Planzen und Tiere
- Stoff und Geist
- Mikrokosmos & Makrokosmos
- Mensch und Gott.
|
|
|
|
Die Biene – Geschöpf eines meisterlichen Denkers |
Und betrachten wir die Biene! Wer sagt ihr, dass sie in einer geordneten Staatengemeinschaft leben muss? Wer veranlasst sie, Waben zu bauen aus Wachs? Und wieso hat sie die Fähigkeit, dieses Wachs aus ihrem Leibe zu schwitzen? Es gibt doch eine Flut von Insekten, und kein einziges von ihnen vermag dies. Woher wissen die Bienen, dass sie sich, um dieses Wachs zu erzeugen, zu einem gewaltigen Knäuel zusammendrängen müssen, um es durch die entstehende Wärme abzusondern? Es ist doch nicht so, dass dieses Tierchen aus vollem Bewusstsein sich sagt: Ich Biene, ich Stoffgebilde, weiß genau, dass ich Wachs brauche. Und dieses Wachs will ich weder ausscheiden noch ausbrechen, sondern ich will es ausschwitzen. Und mit diesem Wachs baue ich Waben. Und ich weiß, dass ich keine viereckigen oder dreieckigen Waben zusammensetze, sondern ich baue, aus klügstem Wissen heraus, sechseckige Waben! Und warum baut ausgerechnet nur die Biene unter all den unzähligen Insekten ihren honiggefüllten Vorratsspeicher und ihre Kinderwiege zugleich aus Wachs und obendrein sechseckig? Weil die Erfahrung sie gelehrt hat, dass diese Bauform die praktischste ist? Das aber würde doch wieder größte Beobachtungsgabe, schärfstes Denken und bewusstestes Erwägen voraussetzen! Und wieder stehen wir vor der Frage, wer ist dieser meisterliche Denker in dem materiellen Geschöpf? |
| Hans Sterneders Tagebücher „Frühling im Dorf“ und „Sommer im Dorf“ laden ein zu einer ruhigen Reise durch das ländliche Leben. In liebevollen, nachdenklichen Einträgen schildert Sterneder die erwachende Natur, Begegnungen mit Menschen und Tieren sowie das stille Glück einfacher Momente. Seine Beobachtungen fangen das Licht, die Farben und Düfte der Jahreszeiten ein und verbinden sie mit spirituellen Gedanken. Die Tagebücher sind nicht nur eine Hommage an die Natur, sondern auch ein Spiegel innerer Entwicklung und Achtsamkeit, die zum Innehalten und zur Besinnung anregen. |
Frühling im DorfTagebuch eines Besinnlichen von Hans Sterneder |
Die Wiener Volkszeitung bezeichnete „Frühling im Dorf“ 1928 als Sterneders „gereiftestes, innigstes und innerlichstes Werk, das Bekenntnisbuch eines wahrhaftigen Dichters, Gestalters, Sehers und Predigers.“
Und der Berliner Lokalanzeiger nannte es „ein Buch für stille Stunden, von dem man wünschen möchte, dass es recht viele Leser findet.“ |
|
|
|
Die Henne und die Küchlein |
Meine rebhuhnfarbige Henne ist nicht wiederzuerkennen! Der Stolz, die Aufgeregtheit und Mutterlust! Zwölf goldgelbe Eierdotterlein wusseln, schießen und wackeln hinter ihr drein und um sie herum. Und die Alte steigt mit geplustertem Gefieder so gravitätisch wie ein Pferd, das die spanische Schule geritten wird, einher, gluckt und lockt, unterweist und scharrt und pickt mit dem Schnabel im warmen, sonnigen Sand. Und um sie das rührende Gewimmer, das eine Hühnersprache werden soll! Wie ist das schön! Ich fahr in die Stube hinein, zerschneide ein Ei und halt es auf der Hand den Wackelfläumchen hin. Und sie, die noch arglos sind, picken, hüpfen hinauf und, wie köstlich – fünf zuckende, flötende, kitzelnde Küchlein schmausen auf meinem Handteller! Ich muss so ein süßes, kleines, brennheißes Leben zwischen meine beiden gehöhlten Hände nehmen und es kosend an die Wange pressen. Und das erschreckte Klagen verstummt, sowie das Tierlein meinen Hauch verspürt, und ungestüm, wie ein kleines Kind, dem draußen auf der Straße ein Kummer widerfahren und das sich klagend zwischen die Beine des Vaters presst, schmiegt es sich wärmehungrig an meine Lippen! |
|
|
|